Yachttest der Feeling 32

Feeling 32 Yachttest Download
Der hier veröffentlichte Text ist dem vollständigen Yachttest der Zeitschrift "Yacht" entnommen. Sie können die PDF-Datei mit dem vollständigen Artikel downloaden. Dieser Artikel enthält aussagekräftige Bilder, detallierte Diagramme, Vergleiche zu anderen Yachten, sowie präzise technische Angaben. 

Hier geht es zum kostenpflichtigen Download (2,-€, Autor: Matthias Balken/Lasse Johannsen, Heft 21/2007):  > Yachttest der Feeling 32

Feeling 32: Schick fürn Schlick

Wenn es um die Zukunft seiner Werft geht, kann Guillaume Godde richtig leidenschaftlich werden. „Wir haben keine Wahl“, sagt der Chef von Feeling. „Wir müssen mit deutlich verbesserter Qualität überzeugen.“ Dafür nimmt der ehemalige Manager von Dufour und Catana sogar Preissteigerungen in Kauf.

Die neue Kompromisslosigkeit spiegelt sich in den Werfthallen. Innerhalb weniger Monate hat Godde den 120- Mann-Betrieb völlig umorganisiert. Aufgeräumt, sauber und gut strukturiert geht es jetzt bei Feeling zu – nicht zu vergleichen mit dem Zustand vergangener Tage.

Auch die Marketing- und Vertriebs- Strategie soll sich ändern. „Wir wenden uns wieder in erster Linie an die Eigner-Kundschaft“, sagt der Werftchef. Der Chartermarkt soll künftig eine untergeordnete Rolle spielen. Da passt es gut, dass Feeling mit den Integralschwertern eine Marktlücke besetzt, die offenbar ganz lukrativ ist. Genau aus diesem Grund ist deshalb die YACHT vor Ort. Wir wollen überprüfen, ob die Feeling 32 Integral tatsächlich der neuen Werftstrategie entspricht – und ob sie vom französischen Magazin „Voile“ zu Recht zur „Yacht des Jahres 2000“ gekürt wurde.

Feeling 32: Konzept & Konstruktion – Eine Yacht für Höhen und Untiefen

Die Grundkonzeption zumindest überzeugt. Wer am Strand oder im Watt gerne hoch und trocken liegt, kann bei der Feeling 32 auf eine massive Kielplatte vertrauen. Die 1,55 Tonnen schwere Ballast- und Bodensektion sorgt für ausreichend Stabilität – sowohl im Wasser als auch „im Stand“. Zwei robuste Ruderblätter halten die Yacht in aufrechter Lage – komplizierte Wattstützen können entfallen. Der Designer Michel Joubert hat also eine praktikable Lösung gefunden, die sogar den Transport und die Winterlagerung leicht macht.

Unter Segeln sorgt ein profiliertes GFK-Schwert für ausreichend Lateralfläche. Es lässt sich problemlos per Talje bedienen. So kann der Tiefgang sehr schnell an die Wassertiefe angepasst werden – einfacher als bei einem komplizierten Hub- oder Schwenkkieler.

Die Yacht ist werftseitig nur für küstenferne Gewässer klassifiziert (CE-Klasse B). Auf Antrag und mit Sonderzulassung kann die Feeling 32 zudem für Hochsee-Törns genutzt werden (Kategorie A).

Feeling 32: Segel- und Manövriereigenschaften – Allen Wettern gewaschen

Wir testen die Feeling dort, wo sie hingehört: im Gezeiten-Revier vor St. Malo, wo europäische Spitzenwerte in Sachen Tidenhub zu registrieren sind. Bis zu zehn Meter Differenz liegen zwischen Hoch- und Niedrigwasser.

Der Wind bläst kräftig aus Nordwest. Unter Maschine verlassen wir den Yachthafen in der Normandie. Der Volvo Penta MD 2020 hat keinerlei Mühe, die Kraft per Welle ins Wasser zu bekommen. Allerdings fällt schon bei den ersten Manövern auf, dass das Schiff nur mit einiger Fahrt auf engem Kreis dreht. Das abgesenkte Schwert liefert eben weniger Lateralfläche als ein konventioneller Kiel. Auch das Drehen auf der Stelle erweist sich aufgrund des starken Seitenwindes als schwierig. Hinzu kommt noch, dass das Propeller-Wasser nicht auf ein Mittelruder trifft, sondern zwischen den beiden Stummelrudern hindurchströmt. Das Schiff in enge Boxen zu dirigieren erfordert deshalb Übung.

Nach Verlassen des Hafens fahren wir im Schutz vorgelagerter Felseninseln durch recht glattes Wasser. Mit Volllaststellung erreicht die Feeling 6,8 Knoten bei nur knapp 3300 Umdrehungen. Dabei sollte der Volvo-Diesel 3600 drehen können. Der Prop ist also offenbar ein wenig zu groß bemessen. Bei 2500 Umdrehungen in der Minute kommen wir noch auf 6,2 Knoten. Das sind akzeptable Werte, wenngleich nicht optimal für einen Festpropeller.


Störend sind während dieser Messungen die Schallpegelwerte und die Vibrationen im Heckbereich der Yacht. Den Grund dafür finden wir unter den Kojenauflagen der Achterkajüte: Zwischen Getriebeflansch und Welle sitzt eine starre Kupplung. Hier sollte unbedingt eine flexible Kupplung die Motor- und Propellerschwingungen trennen.


Mit einem Reff im Großsegel und halbausgerollter Genua laufen wir in Richtung freie See. Das Groß steht ausgezeichnet, während das eingerollte und schon häufig strapazierte Vorsegel nicht gerade zum Jubeln verführt. Ein tiefer Bauch, Falten am Vorstag und eine nicht zu übersehende Kralle im Achterliek verhindern an der Kreuz Spitzenwerte. Mit diesem Segel ist gerade mal ein Wendewinkel von zirka 90 Grad (ohne Abdrift) zu schaffen. Dabei macht die 32er den Eindruck, als stecke mehr Potenzial in ihr. Wer häufig in windreichen Revieren segelt, sollte sich deshalb mindestens zwei verschieden große Vorsegel anschaffen anstatt die Fläche per Rollreff anzupassen. Was eine zu stark gereckte Genua leistet, sind bestenfalls 6 Knoten, mehr nicht.

Bei 5 bis 6 Beaufort erreichen wir raumschots immerhin 6,8 bis 7,0 Knoten – also nahezu die Rumpfgeschwindigkeit; hier macht sich der tiefe Schnitt der Genua weniger negativ bemerkbar.

Ansonsten ist bei der Feeling alles im grünen Bereich: Schotführung, Ruderführung, Luvgierigkeit, Wendigkeit und Sitzpositionen geben keinen Anlass zu Klagen.

Wir bergen die Segel und laufen unter Maschine mit geholtem Schwert in Richtung Strand. Die 32er lässt sich jetzt zwar etwas schwammiger steuern, aber sie hält jeden gewünschten Kurs. Die Wassertiefe nimmt rasch ab. Ein kleiner Ruck, und wir liegen leicht auf, der Anker fällt, und schon nach 30 Minuten können wir in Gummistiefeln über die bequeme Heckleiter von Bord gehen.

Der „Landgang“ zeigt’s: Das Schiff liegt absolut sicher auf der Kielplatte, die beiden Ruder stützen zur Seite hin ab. So schnell das Wasser verschwunden ist, kommt es wieder. Nach drei Stunden segeln wir weiter – raumschots mit Hochgenuss.

Feeling 32: Wohn- & Ausbauqualität – Moderner und heller Ausbau

Wegen des Schwertkastens zwingt sich eine Raumteilung auf, die sinnvollerweise gleich für Salontisch und die Spüle genutzt wird. Alles ist recht ergonomisch gestaltet und sehr ordentlich ausgebaut. Lediglich der Platz zwischen Tisch und Pantry-Schrank könnte größer ausfallen. Das breite Heck bietet viel Platz für eine Doppelkoje und einen Riesenstauraum. Vorn die obligatorische V-Koje.

Feeling 32: Ausrüstung & Technik – Zweckmäßig und gut

Die Werft hat nicht gespart. Beschläge und Winschen, Strecker und Taljen, Gelcoat und Teak machen das Bestreben deutlich, ein überdurchschnittliches Schiff abzuliefern.

In Sachen Schallisolierung und Vibration sind noch Verbesserungen nötig. Auch könnte die Motorzugänglichkeit optimiert werden.

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