Testberichte der Katamaran Belize 43

Katamaran Belize 43 Yachttest Download
Der hier veröffentlichte Text ist dem vollständigen Yachttest der Zeitschrift "Yacht" entnommen. Sie können die PDF-Datei mit dem vollständigen Artikel downloaden. Dieser Artikel enthält aussagekräftige Bilder, detallierte Diagramme, Vergleiche zu anderen Yachten, sowie präzise technische Angaben. 

Hier geht es zum kostenpflichtigen Download (2,-€, Autor: Fridtjof Gunkel, Heft 10/2002):   Yachttest der Belize 43

Die Belize 43 im Test der "yacht"

Die mit rund 48 Millionen Mark Jahresumsatz weltgrößte Katamaranwerft verfolgt ihre Politik der kleinen überlegten Schritte konsequent weiter. Erst nach neun Jahren löste der Betrieb aus dem Raum La Rochelle die mit rund 130 Einheiten erfolgreiche Venezia 42 durch die Belize 43 ab. Auch dieses Schiff wird stark im Chartermarkt vertreten sein. Dafür sprechen der vergleichsweise günstige Preis und der gut eingeführte Werftname. Man vergleicht sich gern mit X-Yachts, die ebenfalls für schnelle, moderne Schiffe stehen. Und auch bei Fountaine Pajot herrscht Konstanz in der Firmenstruktur: Seit 1976 wird der Betrieb durch dasselbe Management aus den vier Inhabern und Spitzenseglern Jean-François und Pierre Fontaine, Yves Pajot und Eric Bruneel geführt.

Viel Tuch pro Tonne

Die Erfahrung des Teams kommt dem neuen Kat zugute. Man vertraut auf einfache, bewährte Komponenten, Bauweisen und Konstruktionsdetails. So verzichtet die Werft auf die als etwas effektiver geltenden Schwerter zugunsten von festen GFK-Lateralflächen. Die sind als Extrateile in Aussparungen unter die Rümpfe geklebt und können so nach einer materialmordenden Grund- berührung leicht ausgetauscht werden.

Des Weiteren setzten die Konstrukteure Michel Joubert und Bernard Nivelt auf 15 Prozent mehr Segelfläche, als die Venezia trug. So ist denn die Belize mit 15,8 Quadratmeter Tuch pro Tonne Gewicht in ihrer Klasse am üppigsten ausgestattet. Optische Akzente bietet Gestalter Olivier Flahault durch weichere Formen ohne Ecken, runde Decksluks und mit dem werfttypischen überstehenden Dach des Cockpit-Hauses, das die direkte Sonneneinstrahlung in den Salon mindert.

Geringes Gewicht

Minimal fällt auch das Gewicht aus: Konsequente Sandwich-Bauweise mit Schaumkern, teilweiser Einsatz von PVC-Honeycombe-Kernmaterial für die Schotten und ein eher schlichtes Interieur drücken den Kat auf niedrige 7 Tonnen. Umso größer geriet die maximal erlaubte Zuladung: 5 Tonnen inklusive Crew nimmt die Belize mit auf Reisen.

Damit die problemfrei verlaufen können, unterzog sich die Werft einer harten Qualitätskontrolle. Sie ist der erste Bootsbaubetrieb und immer noch einer der wenigen, der die ISO-Norm 9002 für die Fertigungsprüfung erfüllt.

 

Saubere Segeleigenschaften

Den Test auf dem Wasser meistert die Belize vor Port Camargue am Mittelmeer mit cum laude. Bis zu 6,6 Knoten an der Kreuz bei rund 3 Beaufort sind gut, Wendewinkel zwischen 90 und 100 Grad noch bessere Werte.

Dabei wendet das Schiff zügig, steuert sich über das leichtgängige Ruder schön direkt und ist einfach zu bedienen. Der Rudergänger sitzt hinter dem Deckshaus an Steuerbord auf einem Drehstuhl. Auf dem Kajütdach stehen zwei Winschen, mit denen die doppelte, abklemmbare Großschot sowie die Genuaschoten bedient werden. Die Großschot wird also immer in Lee abge- klemmt und in Luv gefahren – ein Arrangement, das nicht optimal ist, an das man sich aber gewöhnen kann. Der Traveller wird achtern am Cockpit mit einer einzelnen Winsch bewegt.

Sehr in Ordnung sind die Motorleistungen: Über Zweiflügler und Saildrive beschleunigen die beiden 27-PS-Aggregate den Kat auf bis zu 10,2 Knoten, bei Marschfahrt auf rund 8. Kattypisch niedrig fallen dabei die Motorengeräusche aus: in der Achterkammer sind es 74 Dezibel (A), im Vorschiff nur 62. Erfreulich: Die Maschinen wurden – wie auf vielen Kats üblich – hinter den Achterkammern eingebaut. So ist der Innenraum nicht nur gegen Geräusche, sondern auch gegen Gerüche isoliert.

Variabel und voluminiös

Der Wohnraum ist hell, freundlich und schnörkellos gestaltet. Helle Kunststoffflächen und dunkle Mahagonifurniere kontrastieren. Im Deckshaus sind Salon, Navigation und die Pantry untergebracht – ein Weg, den mittlerweile fast alle Hersteller beschreiten und der Sinn macht: Die Wege sind kurz, der Ausblick ist optimal und die Belüftung am besten.

Für die Aufteilung der Rümpfe bietet Fountaine Pajot drei Versionen an: vier Kabinen mit zwei oder vier Nasszellen oder die Wahl als reines Eignerschiff. Bei letzterem dient der komplette Steuerbordrumpf mit großem Bad im Bug, Sofa und Schreibtisch in der Mittelsektion sowie Doppelbett achtern als Kapitäns-Kajüte.
Individuelle Wünsche wie verändertes Deckslayout oder andere Kojenanzahl werden nach Möglichkeit berücksichtigt. Laut Werft reißt der Kontakt zum Kunden schon während der Bauphase nicht ab: Per E-Mail erhält der Auftraggeber regelmäßig Digitalfotos vom Entstehen seines Kats.
Spielraum unter Deck bieten die Bugspitzen. Sie können ent-weder völlig nackt als riesige Stauräume genutzt werden oder mit Einzelkojen ausgebaut sein. Weitere Gelegenheiten, um größere Dinge unterzubringen, sind unter dem Cockpitboden, in der achteren Ducht sowie vor dem Mast gegeben. Der direkt von der Crew zu nutzende Raum ist ebenfalls üppig ausgefallen. Die Stehhöhen beispielsweise variieren von 1,87 Meter in den Vorschiffen bis 1,98 Meter in den Achterkammern. Die achteren Kojen messen stolze 2,00 mal 1,50 Meter.

Zuverlässige Zulieferer

Gelungen ist auch die Wahl der Komponenten: Lewmar-Beschläge und -Winschen, Z-Spars-Mast, Incidence- Segel, Goiot-Luken und die JP3-Ruderlager sind guter Standard. Da schmer- zen nur einige knarrende Bereiche im Deck, etwas roh zugeschnittene GFK- Teile un gelegentlich fehlendes Topcoat. Schade angesichts der insgesamt sauberen Bauqualität und der praxisgerechten Installationen. 

 

 

Die Belize 43 im Test der "Segeln"

Der neueste Wurf der renommierten Werft Fountaine-Pajot widerlegt überzeugend alte Vorbehalte gegen Katamarane – wie „sie können keine Höhe segeln“, " „stampfen sich im Seegang fest“ und „sind nicht durch den Wind zu bringen“. Stimmt alles nicht! Die Belize 43  segelt nicht nur ausgezeichnet - sie lässt sich auch mühelos mit kleiner Crew beherrschen. Ein Test von Michael Bohmann  und Sönke Lorenzen.

Eine kalte, böige Brise von drei bis vier Beaufort weht uns vom Atlantik entgegen, als wir den Landschutz der bretonischen Küste verlassen. 101 Quadratmeter sind gesetzt und die machen nun unserem 13 Meter langen Kat Beine: über acht Knoten mit halbem Wind und einer Krängung von ganzen zwei Grad. Auch eine gerade einfallende Böe bewirkt nicht die geringste Änderung unserer Lage. Nur die Nadel des Speedometers zeigt Wirkung. Sie klettert in Richtung 9-Knoten- Marke. Instinktiv greife ich zu meinem Becher mit heißem Tee, doch auf diesem Schiff kommt nicht einmal ein Weinglas ins Rutschen. Das ist Katamaransegeln, aufrecht, ohne hohe Kante, ohne Schotenwuling und ohne Schlingerei im Seegang, der sich gelegentlich durch dumpfes Rumpeln unter dem Brückendeck bemerkbar macht.

Katamarane segeln anders. Sie verdrängen nicht das Wasser und bleiben deshalb auch nicht in ihrem Wellensystem gefangen. Die hohe Stabilität der großen Breite – auf unserer Belize 43 sind es sieben Meter – und die geringe benetzte Fläche (Tiefgang 1,30 Meter) setzen die Physik, der Einrümpfer unterworfen sind, außer Kraft. Nachdem ich es mir auf dem gut gepolsterten Schalenssitz hinter der Windschutzscheibe bequem gemacht und eine Weile gesteuert habe, überlasse ich nun dem „Eisernen“ das Ruder, um mir mit einem Rundgang über Deck einen Überblick über Rigg und Beschläge zu verschaffen.

Beeindruckend ist die enorm starke Dimensionierung der Beschläge und Drähte, die den Mast halten. Im Vergleich zu einem Einrumpfboot, das durch Wegkrängen die Stoßbelastungen von Böen auspendeln kann, muss ein Kat nahezu die gesamte Wucht einstecken, da nur ein kleiner Teil davon in Fahrt umgesetzt werden kann. Beide Segel stehen makellos. Vor allem das durchgelattete Großsegel mit wirkungsvoller Rundung im Achterliek. Seine 67 Quadratmeter aus schwerem Tuch lassen sich mit der großen Fallwinsch und seinen kugelgelagerten Rutschern von einem Mann mühelos setzen. Wir wenden: Willig dreht die Belize 43 an und geht zügig, mit nur geringem Fahrtverlust, durch den Wind. Kaum sind wir auf dem neuen Bug, genauer Rumpf, nimmt der Kat schnell wieder Fahrt auf – kaum langsamer als ein traditionell gebautes Einrumpfboot. Überzeugend auch die Höhe, welche dieser Kat laufen kann; es sind etwa 55 Grad. Mittlerweile hat der Wind von zwölf auf 16 Knoten (4 Beaufort) zugelegt. Wir laufen mit 60 Grad Höhe 7,6, mit halbem Wind acht und raumschots (150 Grad) 8,6 Knoten. Der leichte Druck am Ruder ist genau richtig und der Kat zeigt sich auf jedem Kurs sehr kursstabil.

Auch sein Verhalten im Seegang ist hervorragend. Der in der Wasserlinie sehr scharf geschnittene, steile Bug der Rümpfe schneidet weich durch den vom Tidenstrom aufgewor- fenen kurzen, steilen Seegang – aber ohne dabei die Nase zu weit wegzustecken. Dies ver- hindert das schnell zunehmende Volumen der Keilform des hochgezogenen Vorstevens. Vom bequemen Schalensitz hinter der Windschutzscheibe hat man freie Sicht nach vorn Dann haben wir Glück: Voraus segelt der ideale „Sparringspartner“, ein etwa gleich großer Katamaran einer anderen großen französischen Werft. Schnell die Segelstellung überprüft, einen leichten Schrick in die Schoten gegeben, die Selbststeuerung ausgeschaltet und schon laufen wir mit halbem Wind Höchstfahrt. Unser Annäherungsversuch bleibt drüben natürlich nicht unbemerkt. Es wird lebendig an Deck. Winschen knarren und jemand läuft nach vorn, um die Segelstellung zu überprüfen. Aber wir holen trotzdem schnell auf und ziehen dabei langsam immer weiter nach Luv, um ihn dort zu überholen. Doch kurz bevor der Kat in unsere Abdeckung gerät, dreht er seinerseits plötzlich erstaunlich hoch an den Wind und zieht schnell davon – mit kräftigem Kühl- wasserausstoß, der Spielverderber!

Mittlerweile haben wir wieder den Vorhafen erreicht, um hier die Leistungen der Belize 43 unter Maschine zu testen. Die Genua wird weggerollt und das Lattengroß rauscht reibungslos – durch die durchgehenden Latten bereits faltenfrei aufgetucht und von Lazy- jacks gehalten – auf den Baum.

Wir gehen mit den beiden 27 PS starken Dieseln auf Marschfahrt: 6,6 Knoten mit 2600 Umdrehungen. Mit Vollgas und 3800 Umdrehungen bringen sie den Kat auf 8,2 Knoten. Den Vollkreis fahren wir in 36 Sekunden und etwa eineinhalb Schiffslängen. Das ist um die zehn Sekunden langsamer als ein vergleichbar großes Fahrtenschiff brauchen würde – für einen Katamaran aber ein sehr guter Wert. Auch das Längsseitsgehen mit kräftigen Seitenwind ist – wie schon das Ablegen – problemlos: Durch den geringen Tiefgang und die relativ hohen Aufbauten geht der Kat zwar schnell auf Drift, aber mit Hilfe der beiden Schrauben dreht er bereits im Stand wie auf dem Teller.

Der riesige Salon mit seinen vielen großen Fenstern wirkt besonders hell, luftig und bietet vom großen Rundsofa aus nahezu ungestörte Sicht nach draußen. Links von der Sitzgruppe ist der Kartentisch mit großem Panel für die Elektronik integriert. Die rechte Seite wird von der mit allen Schikanen ausgerüsteten Pantry eingenommen. Der Backbordrumpf ist als bequemer Wohntrakt für vier Gäste mit zwei Kabinen, Waschräumen und viel Schrankraum ausgebaut, während der andere Rumpf unseres Schiffes als luxuriöse Suite für den Eigner gestaltet wurde. Im Achterschiff befindet sich ein großer Schlafraum, davor ein langer Gang mit großen Kleider- und Bücherschränken, gegenüber ein Sofa mit unter Wasser eingesetzter Scheibe und davor ein großzügig ausgestatteter Waschraum mit separater Toilette.

Die Holz- und Ausbauqualität ist überdurchschnittlich. Auf der Belize 43 stimmt alles bis ins kleinste Detail. Überall spürt man die Kompetenz der Werft, die auf mittlerweile mehr als tausend Kreuzerkatamaranen beruht.

 

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