Yachttest der Hanse 411

Hanse 411 Yachttest Download
Der hier veröffentlichte Text ist dem vollständigen Yachttest der Zeitschrift "Yacht" entnommen. Sie können die PDF-Datei mit dem vollständigen Artikel downloaden. Dieser Artikel enthält aussagekräftige Bilder, detallierte Diagramme, Vergleiche zu anderen Yachten, sowie präzise technische Angaben. 

Hier geht es zum kostenpflichtigen Download (3,-€, Autor: Fridtjof Gunkel, Heft 06/2007):  

Das sagt die "yacht" zur Hanse 430e 

Die Hanse 430e: im Vergleich

Sie sind um die 13 Meter lang, repräsentieren den jeweils neuesten Entwurf ihrer Werft und haben auch sonst vieles gemeinsam: Die Dufour 425 Grand Large, die Oceanis 43 und Hanse 430 sind reinrassige Fahrtenyachten, gebürstet auf Volumen, Bedien- und Wohnkomfort, konzipiert mit hohem Anspruch an moderne Gestaltung. Die Werften selbst, wenn auch unterschiedlicher Größe, gehören zu den wichtigsten Europas. Beneteau ist mit rund 2800 Segelyachten pro anno der Weltmarktführer. Hanseyachts und Dufour bringen es auf je rund 800 Schiffe und haben in den vergangenen Jahren ebenfalls deutliche Zuwächse verbuchen können. Man beäugt einander, klar, reagiert auf Novitäten des Konkurrenten, jedoch nicht durch Nachahmung, sondern fühlt sich vielmehr animiert, die eigenen Schiffe zu modifizieren.

Hanse 430e: Die Entwicklung

Hanseyachts führt ihren jüngsten Stil der Hanse 325Hanse 355 und Hanse 385 mit der Hanse 430 nach oben fort. Weitere Gemeinsamkeit der Werften: die klare Ausrichtung auf Zukunft und Expansion. Hanseyachts, bislang im Segelbootbereich lediglich mit einer Fahrtenlinie vertreten, befasst sich künftig auch mit dem Thema Deckssalon. All dies ist für den potenziellen Eigner erst mal zweitrangig. Er sucht ein Boot nach seinen Bedürfnissen zu einem angemessenen Preis und entsprechend dem persönlichen Geschmack: Die Hanse 430 wirkt dynamisch und auf der Höhe des Zeitgeistes mit klaren Strukturen, rechten Winkeln und einem Interieur, das mehr an ein Appartement denn eine Segelyacht erinnert.

Hanse 430e: im Marktumfeld

Harte Fakten sind andere, beispielsweise die Preise. Hier hat innerhalb des vergangenen Jahres eine gewisse Verschiebung stattgefunden. Die untere Marke in diesem Dreiervergleich setzt jetzt die Oceanis 43 mit einem Grundpreis von 160 530 Euro. Die Oceanis 43 kommt mit 166000 Euro etwas teurer. Noch mal 5240 Euro obendrauf legen muss der Kunde der Dufour 425 Grand' Large. Vergleicht man die Preise mit einer von der YACHT definierten Komfort- Ausstattung (s. Preisliste Seite 60), verschieben sich die Deltas. Dann ist die Hanse nur noch 700 Euro teurer als die Beneteau und 16160 Euro günstiger als die Grand'Large - wenn man denn das komplette Paket mit teuren Komponenten wie beispielsweise Teakdeck, Heizung und Autopilot besitzen will.

Hanse 430e: Konstruktive Besonderheiten

Wir haben die drei Yachten zwar kurz hintereinander gesegelt, aber bei sehr unterschiedlichen Wetterbedingungen und jeweils in den verschiedenen Hausrevieren der Werften an der französischen Atlantikküste vor La Rochelle in der Charente (Dufour), St. Gilles Croix de Vie in der Vendee (Beneteau) und auf dem Greifswalder Bodden in Mecklenburg- Vorpommern. Es handelt sich hier also nicht um einen typischen Vergleichstest, bei dem die Boote direkt gegeneinander antreten. Dieser Test bewertet die Segeleigenschaften der Schiffe deshalb jeweils für sich. Gemeinsam ist allen drei Yachten eine relativ große Rumpfbreite zwischen 4,12 und 4,25 Metern. Jeweils in Relation zur Länge gesetzt, ergibt sich ein Verhältnis jenseits von 3:1, ein klares Bekenntnis zu viel Volumen. Auch bleiben alle drei Schiffe achtern recht breit, was viel Platz in den Heckkabinen und für Stauräume schafft.

Größere Unterschiede liegen in dem leistungsrelevanten Verhältnis von Segelfläche zum Gesamtgewicht. Die Hanse 430 verfügt mit einer Segeltragezahl von 4,73 und mehr (je nach Bauausführung) über ein größeres Potenzial verfügen. Die Riggs sind auf allen drei Typen fraktional mit eher kurzen Toppsegmenten getakelt. Die Wanten setzen nicht weit außen am Rumpf, sondern innen an Deck an, was engere Schotwinkel ermöglicht. Die Hanse 430 setzt wie eh und je auf eine Selbstwendefock und ein üppigeres Großsegel. Somit sind auf der Hanse 430 Mast und Großbaum deutlich länger als bei der Konkurrenz, das Rigg überragt das nächst hohe Rohr der Oceanis beispielsweise um satte drei Meter. Außerdem ist die Hanse 430 durch die Selbstwendefock einfacher bedienbar.

Die drei Schiffe differenzieren sich weiter sehr stark über die Bauweise. Hanseyachts fertigt Rumpf und Deck der Hanse 430 als Schaum-Sandwich. Gegen einen Aufpreis von 11305 Euro ist das Schiff auch als Epoxid-Ausführung zu haben. Das spart 500 Kilogramm Gewicht im Rumpf, der verwindungssteifer und belastbarer sein soll, und ist zudem der perfekte Osmoseschutz.Die Cockpits sind allesamt klassisch aufgeteilt. Feste Tische dienen auf See als Stütze für die Crew. Das Heck der Hanse 430 ist komplett offen in aktueller Racer- Optik. Hier will die Werft noch optionale Module anbieten, die als Sitze und Stauraum dienen. Die Duchten sind auf allen drei Booten lang, und auch die weiteren Abmessungen unterscheiden sich nicht stark. Alle drei Werften setzen auf die heute weit verbreitete Grossschotführung mit Traveller vor dem Niedergang. Das hält das Cockpit frei, entzieht aber das zweitwichtigste Bedienelement nach dem Steuerrad dem Zugriff des Rudergängers. Als Extra ist jedoch auf der Hanse auch ein Traveller achtern mit German Sheeting System entlang des Baums und an Deck retour zu ordern. Weitere Besonderheiten der Hanse 430: Die Rollrefftrommel ist versenkt eingebaut, was eine größere und effektivere Fock erlaubt. Schienen und Winschen für die optionale Genua sind auf dem deutschen Boot bereits standardmäßig montiert. Allen Schiffen gemeinsam ist die Doppelradanlage, die auf einem Schiff dieser Größe gut unterzubringen ist und die bessere Alternative zum einzelnen großen Rad darstellt. Dieses müsste in einem Graben laufen, sonst wäre es bei dem gebotenen Durchmesser zu hoch.

Hanse 430e: Segeleigenschaften

Peitschten am Abend zuvor noch Sturmböen und Sprühregen die vorpommersche Küste entlang, zeigt sich das Wetter jetzt friedlich. 6, später 10 Knoten Wind, also 2 bis 3 Beaufort schuppen den Bodden. 6,4 Knoten an der Kreuz wuppt die Hanse 430 bei knapp 90 Grad Wendewinkel, dann 6,7 Knoten und 80 Grad. Das sind für eine Fahrtenyacht sehr gute Werte. Die Freude darüber wird durch das agile Wendeverhalten, die Spurtreue und das Steuergefühl noch gesteigert.
Das von uns gesegelte Hanse 430 - der Prototyp - ist die um rund 500 Kilogramm leichtere Epoxidversion. Der Mehrpreis scheint sich zu lohnen. Auch wenn es sich um ein Fahrtenboot handelt- es macht schon im Schwachwind- Bereich Spaß und verheißt darüber hinaus großes Potenzial. Das hat die Hanse 430 auch noch durch die Option auf eine Genua, die per Aufpreis über leinenverstellbare Holepunkte getrimmt werden kann. Ebenfalls schön: Mit dem kurbelbedienbaren und standardmäßigen Achterstagspanner lässt sich das Sparcraft- Performance-Rigg gut trimmen. Ein Rollmast findet sich auf der Extra- Liste nicht.

Was noch nachgerüstet wird, sind Fussstützen, ohne sie steht der Rudergänger auf dem topfebenen Boden zu unsicher. Eine kleine Retusche soll auch noch das Deckslayout erfahren. 
Damit Fock- und Großschot von den standardmäßigen Spiwinschen und somit vom Steuermann bedien bar werden, bolzt die Werft zudem zwei offene Fallenscheiben hinter die Hebelklemmen auf das Kajütdach. Auf diese Weise lassen sich die Schoten nach achtern führen. Die Fallwinschen sind weit innen montiert. Die Leinen müssen dabei auf der Hanse 430 vor den Stoppern durch Decksorganizer umgelenkt werden, da die Fallen weiter außen laufen als auf den beiden anderen Booten. Die Winsch ist wie auch auf der Dufour und der Oceanis in ergonomisch günstiger Position stehend bedienbar, und zudem lassen sich lange Kurbeln verwenden, da das Gestänge der Sprayhood so nicht stören kann.

Hanse 430e: unter Maschine

Als Hilfsantrieb dient auf der Hanse 430 ein 40 PS starker Yanmar. Auf dem Testschiff war probeweise das 14 PS stärkere Aggregat eingebaut. Das ist gut für eine Marschfahrt von 7,5 Knoten. Die Geräuschentwicklung der größeren Maschine war in den Achterkabinen noch zu hoch, was aber am nicht fertiggestellten Ausbau und am Fehlen der Polster gelegen haben dürfte. Somit ist der Lärmpegel ein Punkt, dem potenzielle Kunden der Hanse 430 auf ihrer Probefahrt Beachtung schenken sollten.

Hanse 430e: Innenraum

Allen drei Schiffen ist das Bemühen der Werften anzumerken, Differenzierungsmerkmale zu schaffen und dabei den Wünschen moderner Kunden gerecht zu werden. "Der Trend geht zum minimalistischen Appartement", zitiert das Branchenblatt "European Boatbuilder" einen Designer, der eine gewisse Abkehr vom "maritimen Charakter" der Yachten sieht. Der ist bei den Testanten unterschiedlich stark ausgeprägt. Hanseyachts arbeitet bei der Hanse 430 viel mit rechten Winkeln, der Salonausbau folgt beispielsweise nicht der Rumpfform, sondern Sofas und Schränke sind parallel angeordnet, während die Franzosen mehr mit Rundungen und sich verjüngenden Einbauten arbeiten. Letzteres bringt Platz für einen geräumiger wirkenden Salon, was aber die Hanse durch ihre größere Breite etwas wettmachen kann.

In Sachen Oberflächen bietet die Hanse 430 die sehr reduziert eingesetzten Holzarten Mahagoni und Kirsche. Die Hanse 430 wirkt durch weiße Schotten und weitere Flächen am hellsten, je nach Geschmack könnte man den Eindruck auch als kühl einstufen. Der Innenraum erhält natürliches Licht durch relativ kleine Fenster im Aufbau und im Rumpf, deren Anzahl noch erhöht wird, sowie durch zwei hintereinander angeordnete Klappluken zwischen Niedergang und Rumpf. Die sind bündig eingebaut, der Zwischenraum ist an Deck mit demselben dunklen Plexiglas geschlossen. Der Streifen setzt sich nach vorn fort, wo das Vorschiffsluk ebenfalls ein flush eingelassenes Plexiglas ist.

Hanse sieht für das Heck zwei Kammern oder eine Kabine nebst riesiger Backskiste vor. Der Salon bleibt immer gleich, wobei dies noch in der Werft diskutiert wird. Im Vorschiff lassen sich ein offenes oder abgeteiltes Stockbett realisieren sowie eine zentrale oder diagonal abgeteilte Doppelkoje. Toiletten gibt's immer zwei, wobei die im Salon eine separate Dusche bietet, während man vorn zwischen Varianten wählt, die von der übrigen Einrichtung abhängen. Wir haben von allen drei Booten die Prototypen getestet - also macht eine Beurteilung von Spaltmaßen und Fugenbreiten oder die Erwähnung kleiner Lässlichkeiten wenig Sinn. Diese Punkte dürften von den Werften in der Serie behoben werden, wenn auch möglicherweise in unterschiedlichem Umfang. Interessanter sind da beispielsweise die Komfortmaße. Naturgemäß gehen die Innenraumhöhen auf Schiffen dieser Größe in Ordnung, sie sind denn auch auf allen drei Yachten für die meisten Menschen ausreichend. 1,90 Meter Höhe messen die Salons mindestens.

Lediglich in den Bädern kann es schon mal knapp werden. In der Hanse 430 muss sich der Benutzer des achteren WCs mit 1,82 Meter Höhe zufrieden geben.

Hanse 430e: Design versus Funktion

Im Bemühen um eine klare, luftige, moderne Optik bleibt zuweilen die Praxis auf der Strecke. Auch dafür liefern die Testyachten Beispiele. Auf der Hanse 430 wurde Stauraum im Salon zwischen den Oberschränken verschenkt. Dort sitzen die Rumpffenster, aber eine Schlingerleiste würde einen Teil des Platzes gut nutzbar machen, zum Beispiel zum Bücherstauen. Die auf den Oberschränken vorhandenen Schlingerleisten dagegen sind so flach, dass nur das Helgoländer Telefonbuch liegend Halt findet. Das gilt mehr oder weniger auch für die beiden französischen Boote. Weiter wurden auf der Hanse Ablagen oder Schwalbennester dort vergessen, wo sie ebenfalls nicht stören würden: in den Achterkabinen an der Rumpfseite. Auch das Thema Handgriffe im Salon wird von vielen Werften immer mehr vernachlässigt. Griffe an der Decke vermisst man auf allen drei Schiffen, ein Manko bei Lage und Seegang.

Auf der Hanse 430 findet man keine Möglichkeiten für einen Luftaustausch. Die weitere Beurteilung des Innenraums wird weitgehend den persönlichen Vorlieben folgen. Installationen, Beleuchtung, Belüftung und technische Ausführungen sind auf dem Stand der Zeit und differieren kaum voneinander.

Hanse 430e: Fazit

Für die Hanse 430 spricht ein hoher Grad an Individualisierbarkeit durch Ausbauvarianten in Heck und Bug sowie die Wahlmöglichkeit verschiedener Hölzer. Das freilich ist kein Argument bei Kunden, für die die Gestaltungen und die Innenraumlayouts der Dufour oder der Oceanis das passende Angebot darstellen. Insgesamt: Progressive Menschen werden der Hanse 430 den Vorzug geben.

Das sowohl innen als auch außen moderne, ausgeprägt eigenständige Design, die Agilität unter Segeln und der gute Preis sprechen für das Schiff aus Greifswald. Wer noch mehr Volumen wünscht, kann auf Beneteaus Cyclades 43.3 oder Beneteaus Cyclades 43.4 oder die Elan 434 Impression zurückgreifen. Eine andere Möglichkeit wäre die Bavaria 42 Cruiser, die am unteren Rand des Preisspektrums der Größenklasse rangiert.

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